Wegschauen und schweigen?

Wegschauen und Schweigen?

Am Freitag dem 29.10.16 musste Gera erneut einen Auftrieb der rechtsrassistischen AfD in der Innestadt ertragen. Die Werbung für diese Aktion lag in den bewährten Händen des früheren FDP-Funktionärs und jetzigen Assistenten des AfD-Landtagsabgeordnete Brandner, Dieter Falk. Die langjährig guten Beziehungen Falks zu NPD, REP, Reichsbürgern und Thügida helfen insbesondere bei der Werbung, Flyerverteilung und der Herstellung einer angemessenen Kulisse bei der jeweiligen Veranstaltungen.

Zahlreiche Bürger am Rande und auf der Gegendemonstration waren entsetzt über eine hohe Zahl von Lehrern, Richtern und Ärzten unter der Gefolgschaft von Höcke und Co. Die häufig gehörte Ausrede, dass man sich schließlich informieren müsse, klingt mittlerweile mehr als abgegriffen. Auch die Zahl derer, die ernüchtert den Schauplatz der Bürger- und Politikbeschimpfung verlassen oder sich vernehmlich gegen die Menschenfeindliche Hetze artikulieren bleibt ebenso konstant, wie der „harte“ Kern, der treu hinter den Hetzern steht.

Für die Zivilgesellschaft stellt sich drängend die Frage, wie geht man mit diesen Leuten im Alltag um?

Der Einzelne wird sich meist auf Ignorieren beschränken, oder sich im persönlichen Gespräch geduldig beschimpfen lassen. Was aber ist mit all denen unter uns, die in Gesellschaft, Verwaltung, Unternehmen und Vereinen Verantwortung tragen?

Wie treten Schuldirektoren Lehrern gegenüber, die dem geistigen „Vorbild“ Höcke folgen und in diesem Ungeist täglich mit Kindern arbeiten? Wieviel Vertrauen hat ein Landgerichtspräsident in Gewissen und Unabhängigkeit von Richtern, die Extremisten unterstützen? Kann man als Krankenhaus-Manager angestellte Ärzte, die humanitäre Hilfe von Herkunft, Glauben oder gar Rasse abhängig machen, den Patienten eigentlich noch zumuten? Kann man einem politisch aktiven Unternehmer Aufträge, insbesondere auch öffentliche, erteilen, wenn mit diesen menschenverachtende Hetze finanziert wird? Wie treten Seelsorger extremistischen Politikern und deren Familien im Gemeindeleben gegenüber? Dient das Agieren extremistischer Mitglieder noch den Zielen unseres Vereins?

Die Zahl derer, die der Öffentlichkeit eine Erklärung und einen eindeutigen Standpunkt schulden ist immer noch größer als die Zahl derer, die sich offen zu ihren christlich, humanistischen Werten bekennen und dafür von Verunglimpfung bis Bedrohung Alles in Kauf nehmen, was einer zivilisierten Gesellschaft nichts zu suchen hat.

Der Anspruch auf Toleranz geht verloren, wenn gegenseitige Achtung, Anstand und Respekt nicht mehr gegeben sind. Die AfD hat von Beginn an Toleranz verweigert und damit auch niemals einen Anspruch darauf erworben.

Ernst-Dietrich Färber, Vorsitzender Piratenpartei KV Gera


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