AfD schürt Intoleranz, Hass, Fremdenfeindlichkeit und Menschenverachtung

„Brennpunkt Talstrasse“ – Stadtteil im Wandel ? – ein Beitrag von Ernst-Dietrich Färber

Mit dieser reißerischen Parole lockt der AfD-Landtagsabgeordnete Brandner zum „Bürger-
stammtisch“ mit „Diskussionsrunde“ am Montag ins „Köstritzer Braustüb ́l“, an jenen Platz, an
dem am Samstag die ebenso fremdenfeindliche und menschenverachtende Partnerbewegung
„Thügida“ gegen die Übernahme unserer Heimatstadt durch „Linksbolschewisten“ kämpft.

Panta rhei – alles fließt, alles wandelt sich – hat Heraklit schon vor 2.500 Jahren erkannt. Das
gilt natürlich auch für unser Viertel, in dem ich seit fast 50 Jahren mit Unterbrechungen arbeite
und lebe, und führt Brandners Frage ad absurdum. Was es mit unserem Viertel im Speziellen
auf sich hat kann der Herr Abgeordnete als kürzlich Zugezogener natürlich nicht wissen, aber da
helfen wir Alteingesessenen allen Neulingen gern auf die Sprünge, schließlich sollen sie unsere
Heimat kennen und schätzen lernen.

Am Beginn der Talstrasse, am Westgiebel von St. Trinitatis findet sich ein Hinweis auf die zahl-
reichen flandrischen Glaubensflüchtlinge die ab 1530 nach Gera kamen und mit der Einführung
der Schönfärberei die Textilfertigung bunter machten. Die Grabplatte von Nikolaus De Smit
erinnert an einen Mann, den die besorgten Gerschen Bürger wegen seines „unreinen“ Glaubens
und seines Reichtums in unserer Stadt nicht haben wollten. Heinrich Posthumus nutzte seinen
gesunden Menschenverstand und ebnete dem Begründer der modernen Industrie in Gera den
Weg. Diese beiden Männer stehen am Anfang des Aufstiegs zu einer der reichsten Städte
Deutschlands. Namhafte Unternehmen die auf De Smit zurückgehen, weltweit bekannt und ge-
achtet waren befanden sich in unserem Viertel, deren Nachfolger konnten bis zur Deindus-
trialisierung durch Helmut Kohls und Brandners CDU vor 26 Jahren noch besichtigt werden.
Neben der Vernichtung des „Volkseigentums“ wurde auch reichlich Privateigentum „umverteilt“
und so gehören die Gebäude unseres Viertels heute überwiegend Menschen, die in Gera weder
wohnen noch Steuern zahlen. Von den einstmals über 200 Unternehmen und Gewerbe-
treibenden im Viertel hat ein knappes Dutzend die 2 Diktaturen im Familienbesitz überstanden.
Nicht einmal die Hälfte davon existiert bis heute. Von heute ca. 90 Unternehmen in unserer
Nachbarschaft haben 20% der Eigentümer einer anderen Nationalität, neben 5 Türken, jeweils
2 Russen und Vietnamesen sind seit kurzem 4 Syrer hier ansässig. Dazu kommen je ein
Mosambikaner, Pakistani, Schweizer, Ukrainer und US-Bürger, die hier seit Jahren ihren
Geschäften nachgehen.
Noch wesentlich vielfältiger sind die Nationalitäten der hier Wohnenden, jeder Kontinent ist
mehrfach vertreten. Bei den Religionen sieht es da bescheidener aus. Immerhin befindet sich
im „Brennpunkt“ ein evangelischer Bischofssitz samt Kirchenamt und Diakonie. Hinzukommen
drei reformierte Freikirchen und seit 15 Jahren Geras einzige Moschee. Bis 1938 befand sich
hier auch einer der zwei Geraer Synagogen für die knapp 400 jüdischen Mitbürger – darunter
bedeutende Familien wie Biermann, Halpert, Masur und Tietz, die in unserer Stadt geachtet
waren, bis ein entfesselter Mob unsere Kultur und Tradition vernichtet hat.
Wir leben hier in Brandners vermeintlichem „Brennpunkt“ seit Jahrzehnten friedlich und
konfliktfrei miteinander. Wir lösen unsere kleinen und großen Probleme mit Vernunft. Wir haben
gelernt mit dem Wandel zu leben und Probleme zu bewältigen. Herr Brandner von der AfD muss uns die Welt nicht erklären!

Ernst-Dietrich Färber

 


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Weitere Informationen

Zukünftige Events

View Calendar