Verkauf der GWB-Elstertalanteile

Was unseren Stadträten zur Entscheidungsfindung dienen soll
Der Insolvenzverwalter hat den Verkaufsprozess in einem „sehr schwierigen Umfeld“ durchführen müssen und sich daher einen „professionellen Verkaufsberater“, der natürlich nicht benannt wird, zu Rate gezogen.
Statt eine öffentlichen Ausschreibung schien das Anschreiben von „knapp 100 im Kommunalen Umfeld aktiven Investoren (meint Privatisierern) und Wohnungsgesellschaften“ der erfolgver-sprechendere Weg zu sein.
Die GWB sei ein „sehr ertragsschwaches Unternehmen“ mit hohem Investitionsrückstau und anstehender Refinanzierung, was angesichts der momentanen Niedrigstzinsen wohl eher ein Vorteil sein sollte. Besonders problematisch sei die derzeitige Struktur der GWB, „die der eines vollständig in kommunaler Hand befindlichen Unternehmens entspricht“. Folgerichtig fordern die künftigen Mehrheitsgesellschafter „größere unternehmerische Freiheit“, sprich Wegfall der sozialen Verantwortung. Für einen Verkauf müssen daher die „gesellschaftsrechtlichen Einflussmöglichkeiten an die Markstandards“ (also die unter Fondsverwaltern üblichen Geschäftsgebaren) zugeschnitten werden. Nur so, wird suggeriert, sei ein Verkauf überhaupt erst möglich, das Interesse privatwirtschaftlich denkender Erwerber zu wecken.
Zu beachten sei auch die „Erwartungshaltung der Banken“, vermutlich selbige, die eine Sanierung der SWG AG blockiert haben, und vorsorglich wird die „Altschuldenkeule“, also die Schulden, die tatsächlich keine waren, geschwungen, denn hier stehe die Stadt ja in der Haftung.
Nach so viel Betrüblichem kommt dann der einzige Lichtblick: Der Insolvenzverwalter konnte mit Benson Elliot „ein äußerst erfreuliches Ergebnis“ erreichen, wie das aussieht bleibt selbstredend sein Geheimnis. Und es ist schon erstaunlich, dass aus dem großen Kreis der potentiellen Interessenten ausgerechnet ein Partner aus der Gruppe gefunden wurde, die regelmäßig die höchsten Renditeerwartungen haben. Wie erfreulich das Ergebnis in Euro und Cent aussieht bleibt selbstredend das Geheimnis von Insolvenzverwalter und Benson Elliot.
Aber auch dafür gibt es eine Erklärung: Zunächst hat der Investor in Amsterdam vorsorglich einen BE Gera BV – Briefkasten eingerichtet, das spart die in Deutschland üblichen, lästigen Steuern. Zudem bekommt er mit der Änderung des Gesellschaftervertrages freie Hand „bei dem aus Investorensicht wichtigen Fall der Veräußerung der Beteiligung“ und kann ab dem 31.07.18 sogar den Verkauf des städtischen Anteils an einen Dritten verlangen, sofern der mindesten 8,5 Mio. € auf den Tisch legt.
Die Sache sollte hinter verschlossenen Türen besiegelt werden, weil, so die Vorlage von OB Dr. Hahn, „das berechtigte Interesse des (Insolvenz-)verwalters und des Investors Benson Elliot“ eine öffentlichen Verhandlung entgegen steht. Und da dachten einige Geraer Bürger doch tatsächlich, unsere OB vertrete gemäß ihrem Amtseid die Interessen der Stadt und ihrer Bürger.


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